Solidus

Geschichte begreifen Jan / Feb 2017

Imitation Thasischer Tetradrachme

2. Hälfte 1. Jhdt. v. Chr. / Unterer Donauraum.
Herakles mit Keule und Löwenfell.
Avers: Völlig abstrahierter Dionysos-Kopf.

Die als Handelsmünzen in den nördlichen Randkulturen der griechischen Welt beliebten Tetradrachmen aus Thasos wurden ab dem späten 2. Jhdt. v. Chr. bereits auf der Insel Thasos selbst von weniger kunstfertigen Stempelschneidern in einem - an klassischen Exemplaren gemessen - schlechten Stil für eine steigende Nachfrage produziert.

Diese Exemplare dienten in regionalen Zentren der Randkulturen als Vorbilder für eigenwillig gestaltete Nachahmungen, die zunehmend einen ausgeprägten Willen zur Abstraktion erkennen lassen.

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Vorgestelltes Exemplar gehört bereits der spätesten, dritten Gruppe an. Das „Strichmännchen“ auf der einen Seite lässt bei Kenntnis des Vorbilds noch seine Herkunft von der Darstellung eines Herakles mit Löwenfell und Keule erkennen. Die unverstandene Schrift seitlich der Abbildung wurde erst gar nicht mit einer mehr oder weniger fehlerhaften Pseudolegende imitiert, sondern gleich in Punktreihen aufgelöst.

Ähnlich erging es der Seitenansicht des Dionysoskopfes auf der anderen Seite, die vom ursprünglichen Motiv bereits so weit entfernt ist, dass Einzelheiten der abstrakten Komposition nur noch sehr bemüht von anatomischen Details bzw. dem Kopfschmuck des Gottes hergeleitet werden können. Die vorgestellte Orientierung der Abbildung ist bei Kenntnis der stilistischen Abwandlungen des Typs innerhalb dieser Serie zwar die richtige. Im Gegensatz zum „Heraklesbild“ ist ein unbedarfter Betrachter aber nicht mehr in der Lage, die Münze auf dieser Seite „korrekt“ auszurichten.

Diese Imitationen thasischer Tetradrachmen wurden wohl in zahlreichen kleinen Zentren des unteren Donauraumes in eher kleinen Emissionen in großer Vielfalt hergestellt. Dabei dürften ostkeltische Siedler eine maßgebliche Rolle gespielt haben, die im Rahmen der sogenannten Keltenwanderungen seit dem 4. Jhdt., insbesondere aber im 3. Jhdt. v. Chr., inmitten der einheimischen Kulturen des Balkanraumes Siedlungsinseln gegründet haben und unterschiedliche Formen der Koexistenz mit dieser Bevölkerung eingegangen sind. Viele der einheimischen Kulturgruppen am Rand der griechischen Welt prägten demgegenüber Münzen, die ungleich stärker hellenistischen Vorbildern verpflichtet sind und sich im Erscheinungsbild oft kaum von griechischen Münzen unterscheiden.

14,11 g / Durchmesser 28 mm

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